Soziales und Wirtschaft

Jugendarmut verhindern und Recht auf Ausbildung schaffen

18. Oktober 2012

Zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt erklärt der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow:

Die Erwerbssituation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist trotz großer Vermögensgewinne in den letzten Jahren weiterhin angespannt. Deswegen bekräftige ich noch einmal meine Forderung, dass jeder Dortmunder Jugendliche ein Recht auf Ausbildung bekommt.

Jungendliche aus Dortmund, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, sollen zukünftig garantiert einen öffentlich geförderten und mit der Praxis verzahnten Ausbildungsplatz erhalten. Diese Ausbildungsgarantie fordere ich bereits seit langem. Es ist sehr gut, dass die SPD-Bundestagsfraktion dies in einem aktuellen Antrag (http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/101/1710116.pdf) auch noch einmal deutlich macht. Über diesen Antrag wird heute im Parlament debattiert.

In Dortmund sind in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren von 7.200 Arbeitssuchenden etwa 4.700 ohne Berufsschulabschluss. In Deutschland haben derzeit 1,5 Millionen junge Menschen in dieser Altersgruppe keinen Berufsabschluss.

Im letzten Jahr kamen bundesweit 300.000 junge Menschen in öffentlich finanzierte Maßnahmen des sogenannten Übergangssystems. Zwischen den Jahren 2000 und 2008 waren dies jeweils sogar 400.000 bis 490.000 junge Menschen und somit mehr als ein Drittel aller Ausbildplatzsuchenden. Diese Übergangsmaßnahmen vermitteln den Jugendlichen selten eine adäquate Ausbildung, schaffen wenig Perspektive und kosten den Steuerzahler 6 Mrd. Euro. Selbst Experten blicken durch den Förderdschungel kaum noch durch.

Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind besonders Frauen und
Migranten/innen benachteiligt. So wurden 2011 nur 40,7% der Ausbildungsverträge mit Frauen abgeschlossen und nur 33,5% Verträge mit Migranten/innen.

Wir brauchen – gemeinsam mit den Bundesländern – eine Verbesserung des Übergangsmanagements. Die Berufseinstiegsbegleitung muss gestärkt und die ausbildungsbegleitenden Hilfen müssen weiter gefördert werden.Wir brauchen so schnell wie möglich ein Konzept für die Weiterqualifizierung junger Erwachsener ohne Berufsabschluss. Die Berufsorientierung muss in den Schulen und bei der Lehrerausbildung verankert werden. Angesichts des Fachkräftemangels ist es gesellschaftlich unverantwortbar nichts gegen diesen Missstand zu unternehmen.

Erhalten die Jugendlichen dann einen Ausbildungsplatz, gehen die Probleme leider weiter. Etwa ein Viertel der Jugendlichen müssen zum Beispiel neben der Ausbildung noch einer Nebentätigkeit nachgehen. Wenn die Jugendlichen dann ihre Ausbildung abschließen, werden immer mehr nicht übernommen. Von denen, die übernommen werden, landen viele in einer atypischen und befristeten Beschäftigung. Mehr als die Hälfte der unter 25-jährigen ist im Bereich der Leiharbeit tätig.

Junge Menschen brauchen Perspektiven und die Chance auf einen guten Übergang von der Ausbildung in eine reguläre und fair bezahlte Beschäftigung. Neben dem Recht auf Ausbildung setze ich mich weiterhin massiv für einen gesetzlichen Mindestlohn ein.

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