Offene Fragen an die Ruhr-Nachrichten

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Foto: Bijan Yaghoubi

Sie haben einen großen Artikel: „Wahlprognose: Wer schafft es aus Dortmund in den Bundestag?“ in Ihrer Zeitung an prominenter Stelle in einer sensiblen Zeit – 14 Tage vor der Wahl – veröffentlicht. 

Dazu stellen sich einige wichtige Fragen, die ich hier aufführen möchte:

  1. Ist Ihnen bewusst, dass allein der Titel und die Aufmachung suggeriert, dass es sich hier um eine seriöse Umfrage handelt, in der also nach grundlegenden, klaren Kriterien Menschen im Wahlkreis befragt werden? Das ist in diesem Fall überhaupt nicht gegeben. 
  1. Warum haben Sie keine seriöse Umfrage (wie vor den letzten Bundestagswahlen) in Auftrag gegeben und stützen sich stattdessen auf eine Ausarbeitung von election.de?  Es handelt sich um eine Unternehmung einer einzigen Person, die lediglich andere Wahlen hochrechnet, jedoch keine wissenschaftliche Expertise vorweisen kann und auch nicht mit renommierten Instituten oder dergleichen zusammenarbeitet. Es ist am Ende nicht zu beurteilen oder auszuschließen, ob es sich um Kaffeesatzleserei handelt. Überprüfen Sie die Quellen solcher Hochrechnungen?
  1. Ist Ihnen bewusst, dass eine Hochrechnung von der Zweitstimme auf die Erststimme ohne ernsthafte Umfragen in dem Wahlkreis gewagt und unseriös sein muss? So eine Hochrechnung kann nur funktionieren, wenn die Direktkandidaten nicht weiter bekannt sind oder bereits vergleichbare Daten aus anderen Wahlen vorliegen. 
  1. Ist Ihnen bewusst, dass in Dortmund mit meiner Kandidatur eine Sondersituation vorliegt? Allein  weil nur sehr selten ein Bundestagsabgeordneter aus einer Partei aus- und dann für eine andere Partei im gleichen Wahlkreis antritt, ist es kaum möglich aus vorherigen Wahlergebnissen auf ein kommendes zu schließen. Noch seltener (ich kenne keinen einzigen Fall) gibt es die Situation, dass dieser Kandidat bereits häufiger den Wahlkreis direkt und mit beachtlichem Abstand zur Zweitstimme gewonnen hat. Es gibt also gar nicht genug Vergleichsfälle und damit keine ausreichende Datenlage, um das kommende Ergebnis auch nur ansatzweise sicher voraussagen zu können. Ich spreche dagegen die ganze Zeit von einer nicht abschätzbaren Situation. Für ein seriöses Medium ist es starker Tobak, diese Art der Spekulation vor einer Wahl zu publizieren.
  1. Ist Ihnen bewusst, dass solch eine prominente Darstellung 14 Tage vor der Wahl die Wahl beeinflussen kann und voraussichtlich auch wird? Hier wird ohne Datenbasis suggeriert, die Wahl sei bereits gelaufen und die beiden Wahlkreise zu 100% sicher vergeben sind. Diese Beeinflussung darf meines Erachtens nicht unwidersprochen stehen bleiben.
  2. Ist Ihnen bewusst, dass die Argumentation bezüglich des prognostizierten Ergebnisses für meine Person nicht schlüssig ist? So geht der Urheber der von Ihnen beauftragen Prognose davon aus, dass ich Stimmen von der SPD mitnehme. Ich lag bei den zurückliegenden Bundestagswahlen deutlich über dem Dortmunder SPD-Zweitstimmenergebnis. Bei der letzten Wahl waren es ca. acht Prozent Differenz. Wenn man in seinen Analysen auf bisherige Wahlergebnisse zurückgreift und damit davon ausgeht, dass mich auch diesmal wieder Nicht-SPD-Wählerinnen und -Wähler mit der Erststimme wählen und dann zusätzlich noch Menschen, die der SPD ihre Zweitstimme geben, kann das Ergebnis nicht stimmen.

Ich möchte zuletzt klarstellen: Es liegt mir fern und steht mir auch nicht zu, die Position und Ausrichtung der Ruhr-Nachrichten in Frage zu stellen oder zu beurteilen. Es geht mir im Wesentlichen um diese eine Darstellung, die suggeriert eine faktenbasierte Prognose zu sein. Ich würde Sie daher bitten, meine Fragen zu beantworten und in Zukunft solche „Prognosen“ kritisch zu hinterfragen oder die Hintergründe für Leserinnen und Leser entsprechend einzuordnen.

Finanziert durch Marco Bülow, MdB