Tschernobyl: gigantische Folgekosten von Atomenergie

Anlässlich des 29. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erklärt der Dortmunder Bundestagsabgeordnete und zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion Marco Bülow: Tschernobyl zeigt, die Gefahren für Gesundheit und Umwelt sowie die gigantischen und unkalkulierbaren Kosten der Atomenergie lassen nur einen logischen Schluss zu: Die Nutzung von Atomenergie hat keine Zukunft und muss weltweit beendet werden.

Mit viel Verzögerung und deutlichen Kostensteigerungen verbunden soll vermutlich Ende 2017 der neue Sarkophag zum sicheren Einschluss des zerstörten Blocks 4 in Tschernobyl (New Safe Confinement) fertig sein. Erst über 30 Jahre nach dem Super-GAU wird dann hoffentlich die direkte Gefahr, die von dem Reaktorblock ausgeht, deutlich reduziert.

Allerdings ist das Problem damit noch lange nicht gelöst. Der alte marode Sarkophag muss zurückgebaut und dann der radioaktive Müll beseitigt werden. Während der Bau des neuen Sarkophags mit internationalen Geldern finanziert wird, soll sich die Ukraine alleine um den Rückbau und die Entsorgung kümmern. Auch diese Arbeiten sind höchst kompliziert und immens teuer. Die internationale Gemeinschaft sollte der Ukraine auch hierbei helfen.

Allein die derzeit laufenden Arbeiten zur Sicherung der Ruine werden mehr als zwei Milliarden Euro kosten und damit mindestens das Dreifache der ursprünglichen Kostenschätzung. Der Unfall hat nicht nur schlimme Konsequenzen für Mensch und Umwelt, seine Folgekosten sind auch gigantisch. Das gleiche gilt für Fukushima, wo täglich noch immer radioaktive Strahlung frei wird. Schätzungen zufolge belaufen sich allein die bis heute entstandenen Kosten auf umgerechnet rund 84 Milliarden Euro.

Schon 1992 errechnete das Schweizer Prognos-Institut, dass ein Super-GAU im dicht besiedelten Europa zu Folgekosten von mehreren Billiarden Euro führen könnte. Trotzdem werden immer noch neue Reaktoren gebaut. Allein der Bau verschlingt viele Milliarden. So wird das im französischen Flamanville entstehende neue AKW mindestens 8,5 Milliarden Euro kosten. Obwohl hier angeblich die neueste Technik für deutlich mehr Sicherheit sorgen soll, wurden schon vor Fertigstellung Probleme beim Druckbehälter festgestellt. Deckel und Bodenplatte weisen offenbar Unregelmäßigkeiten in der Zusammensetzung des Stahls auf, die zu Rissbildungen führen könnten.

Das beweist, dass man Sicherheit nicht garantieren kann. Deswegen und aufgrund der unabsehbaren Folgekosten gibt es nur eine richtige Schlussfolgerung: Wir brauchen einen weltweiten Atomausstieg.

Finanziert durch Marco Bülow, MdB

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